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Donnerstag, 26. November 2015

Donnerstags-Desaster #7

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …

Wie bereits angekündigt, gibt es heute (mehr oder weniger) pikante Details zum Fall „Max & me“.
Ich weiß wirklich nicht, woran es liegt, dass dieser Kerl mich dermaßen unter Kontrolle hat – er sieht nicht auffällig gut aus, ist weder besonders intelligent noch in irgendeiner Weise charmant. Generell würde ich mich als recht taff, zielstrebig und selbstbestimmt bezeichnen aber sobald es um ihn geht, gehen mein Stolz und mein eigener Wille Hand in Hand den Bach runter.
Es ist wie verhext: Jeder andere kann noch so lieb und bemüht sein, mir jeden Morgen und Abend Liebesgrüße schicken und fragen, wie es mir geht – Das lässt mich in der Regel ziemlich kalt. Anders verhält es sich mit Max: Sobald er mir nach tagelanger Funkstille endlich schreibt, scheint mein System vollkommen durchzudrehen; Ich bin endlos aufgeregt und mein Herz schlägt bis zum Hals, während sich dieses komische Gefühl in meiner Brust breitmacht. Das ist schwer zu beschreiben, es fühlt sich an wie eine Mischung aus Atemnot und Bienenschwarm. Ich bin voller Adrenalin und trau mich kaum, die Nachricht zu öffnen. Und wenn ich mir dann vornehme, nicht sofort zu antworten und ihn zappeln zu lassen, sitze ich jede Minute, die ich die Antwort herauszögere wie auf heißen Kohlen, kann an nichts anderes denken.  
Kein Wunder also, dass mir keine Wahl blieb, als seiner Einladung auf ein versöhnliches „Couchbier“ zu folgen. Nicht sofort natürlich, aber nach der dritten Anfrage ließ ich mich großzügiger Weise breitschlagen. Da hatte ich zumindest noch halbwegs die Kontrolle.
So machte ich mich, gerade so aufgebrezelt, dass es nicht zu auffällig war, auf den Weg, neugierig, was mich wohl erwarten würde. 
„Du musst bei M. Hansen klingeln“ - Ja, das hätte ich nach fast einem Jahr bald obsessivem Geschwärme gerade noch gewusst. Die Tatsache, dass der Name seiner Ex-Freundin noch immer auf dem Klingelschild steht, lasse ich geflissentlich unter den Tisch fallen. Ich würde ihm schließlich auch gerne glauben, dass er „sowas von durch damit“ ist. Ich mein klar, wer wäre das denn nicht, knapp einen Monat nach der Trennung? 
Im ersten Augenblick war es eigenartig, ihm so gegenüber zu stehen; Fast wie damals und doch ganz anders. Tatsächlich hat Max mir sogar die Jacke abgenommen und eine Wohnungsführung angeboten, was schon mehr war, als ich mir in meinen wildesten Träumen erhofft hätte. Eine Wohnung übrigens, für die allein ein Besuch sich lohnt: Knapp 100 Quadratmeter in der Innenstadt, verteilt auf drei Zimmer und eine riesige Loggia. Ich kann beim besten Willen nicht leugnen, dass mich seine Residenz beeindruckt hat. Es gab übrigens kein Bier, sondern Rotkäppchen Rosé. Viel verblüffender aber ist, dass ich das erste Mal das Gefühl hatte, mich wirklich mit Max zu unterhalten. Früher hat er kaum von sich erzählt, ich wusste eigentlich nie, was in seinem Leben gerade los war. Das ist jetzt anders, obwohl er immer noch betont cool daherkommt, ist er die reinste Plaudertasche. Zwischendurch hat der Schlawiner sogar gaaanz unauffällig meine Hand genommen (Das habe ich nochmal durchgehen lassen, ein bisschen Händchen halten tut ja schließlich niemandem weh). Zum Abschied fand ich es am unverfänglichsten, einfach charmant zu winken. „Sag mal Fee, ist das dein Ernst!?“, zugegeben, Max' Reaktion war wohl nicht ganz unberechtigt. Also Küsschen links rechts. Und dann habe ich ihn richtig feste gedrückt „Ich glaube, das kannst du gerade gut gebrauchen“. Als ich aus der Tür trat, konnte ich gerade noch einen Blick auf den verdatterten Ausdruck in seinem Gesicht erhaschen, während ich mir das Lachen verkneifen musste. So weit alles gut also. 
Dramatisch wurde es erst beim zweiten Treffen, so langsam schleicht sich nämlich dieses fiese vertraute Gefühl ein; Ich würde ihm am liebsten pausenlos durch die Haare wuscheln oder ihn neckisch anstupsen. Das entspricht natürlich nicht dem Plan, also wahre ich mühevoll die Contenance und versuche, möglichst unbeeindruckt zu wirken. Als er mich schließlich küssen wollte, habe ich sogar den Kopf weggedreht – Das wäre ja auch zu einfach.
In der Regel ist es immer dasselbe: Ich komme heim, total happy, und frage mich, warum ich eigentlich so misstrauisch bin und ihm keine Chance gebe. Bis dann die ultimative Klatsche kommt.
Mal ist es eine höhnische Abfuhr bei WhatsApp, mal macht er mir im Gespräch deutlich, dass ihn meine Meinung nicht im Geringsten interessiert. Ein Arschloch vom Feinsten. Mittlerweile haben wir uns seit über zwei Wochen nicht gesehen, dafür fängt er ständig Gespräche an, die sich dann verlaufen. Neulich zum Beispiel wollte er wissen, ob ich Glühwein mit Amaretto mag – ein vielversprechender Start eigentlich, nur leider kam danach nichts mehr. „Und du, magst du Faultiere?“, etwas besseres ist mir in der Situation einfach nicht eingefallen. Faultiere mag er scheinbar aber das war's dann auch. Unter uns: Ich finde Faultiere irgendwie gruselig, vor Kurzem habe ich eines im Zoo gesehen – Die sind viel größer, als ich dachte und dann diese überdimensionalen Krallen … ich schweife wieder ab. Was Max betrifft ist also alles beim Alten. Ich glaube, er weiß einfach nicht, wie man mit Frauen umgeht aber das möchte ich bitte nicht ausbaden. Eigentlich scheint die Lösung ziemlich offensichtlich: Einfach abhaken.
Wenn da nicht dieses verdammte Kribbeln in der Magengegend wäre, sobald er mich berührt oder auf diese bestimme Weise anschaut.


Fee

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