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Donnerstag, 3. Dezember 2015

Donnerstags-Desaster #8

… Die Schlechten ins Kröpfchen
 
Die Guten sollte man behalten, von den Schlechten trennt man sich besser fix. So heißt es zumindest in meinem persönlichen Lieblingsmärchen Cinderella, das ich mittlerweile vermutlich selbst im Schlaf einwandfrei mitsprechen, -singen und pantomimisch darstellen könnte. „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“, ein Satz, der vor Lebensweisheit nur so strotzt und praxistauglicher nicht sein könnte.
Auch wenn ich heute nicht über Linsen, sondern über (zugegeben, manchmal ähnlich platte) Männer schreiben möchte, finde ich, dass der Sachverhalt doch recht ähnlich ist und sich somit prima zum Vergleich eignet. Ich frage mich immer wieder, woran es liegt, dass wir so häufig die netten, fürsorglichen Typen links liegen lassen, fasziniert vom nächstbesten Bad Boy.
Seit ein paar Monaten treffe ich mich von Zeit zu Zeit mit Jonas, Jurastudent im letzten Semester und ein absolut feiner Kerl: Höflich, verlässlich und ausgesprochen interessiert. Er schreibt mir wirklich jeden Tag, erkundigt sich, wie es mir geht, was ich so treibe. Jonas fragt regelmäßig nach Dates und würde sogar die Kaution hinterlegen, wenn ich nach versuchtem Koala-Klau im Knast lande. Dazu sieht er ziemlich gut aus und kann sich wahnsinnig gut artikulieren. Als wir letztens im Kino waren, hat er brav meine Hand gehalten, wenn der Film zu gruselig wurde und zum Abschied hat er sich sogar getraut, mich zu küssen. Nichts. Ich habe wirklich absolut nichts gefühlt. Dabei wäre es so schön gewesen, sich einfach mal in einen anständigen Kerl zu verlieben, einen von den Guten einzutopfen. Stattdessen muss ich ihm nun irgendwie beibringen, dass wir uns besser nicht mehr sehen sollten. Eine mir vollkommen unbekannte Situation: Jemanden „abservieren“, das ist mir noch nie passiert. Normalerweise bin ich diejenige, die vorschnell ins Schwärmen gerät und dann unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden muss, beziehungsweise nach Kontaktabbruch einfach von Wolke sieben plumpst. Kein Wunder also, dass ich ordentlich Bammel vor unserem nächsten Treffen habe.
Mir tut das Ganze unendlich Leid und ich frage mich, woran es liegt, dass mein Herz so wenig enthusiastisch auf diesen vermeintlichen Traum-Partner reagiert, während mein Verstand quasi ausflippt. „Gefühle kann man nicht erzwingen“, sagt meine Mama immer – Aber ich würde so gerne. Ehrlich, viel lieber wäre ich unsterblich in Jonas verliebt, als Herzrasen zu bekommen, wenn mir Max mal wieder gequirlten Bockmist schreibt.
Eigentlich stehe ich überhaupt nicht auf Bad Boys - Sollen die doch bleiben, wo der Pfeffer wächst und ihre Spielchen mit wem anders abziehen. Das behaupte ich zumindest immer aber so ganz immun gegen die Nummer mit der kalten Schulter scheine ich doch nicht zu sein. Verdammi.
Was ist es bloß, dass uns dermaßen gefügig macht, sobald das Gegenüber uns scheinbar links liegen lässt? Also mich macht das wirklich verrückt: Als würde man(n) mir einen schmackhaften, zauberhaft duftenden Muffin vor die Nase halten, um ihn dann direkt wieder wegzuziehen. Es ist diese Balance zwischen Desinteresse und charmantem Flirt, die ich am liebsten sofort boykottieren und im Keim ersticken würde, bevor ich dann doch schwach werde. Ich wage zu behaupten, dass niemand sich vorsätzlich in einen Bad Boy verliebt. Meist merkt man es ihnen zunächst gar nicht an. Erfahrene Bad Boys laufen leichtfüßig durchs Leben, getarnt als wohlgesittete Charmeure, bis man sich dann emotional auf sie einlässt – Einmal in Sicherheit, entpuppt sich der eine oder andere Traumprinz als Albtraum. Mein größtes Problem hierbei: Wenn ich erkenne, dass es sich um ein abgekartetes, eiskalt kalkuliertes Spiel handelt, ist es meistens schon zu spät. Außerdem birgt es ja auch eine gewisse Spannung, nie zu wissen, wann der andere sich meldet; Der Kerl ist mysteriös und dabei dominant genug, um über einen langen Zeitraum interessant zu bleiben. Diese eigenartige und irrationale Faszination lässt sich vermutlich weder logisch erklären, noch ist sie für Außenstehende in irgendeiner Weise nachvollziehbar. „Wieso servierst du ihn nicht einfach ab, wenn es dich so stört, dass er sich nie meldet und du ihm scheinbar egal bist?“, und wieso entscheide ich mich nicht für denjenigen, der immer verfügbar ist? Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung. Vielleicht war Jonas einfach zu nett, zu wenig Herausforderung – Wer weiß das schon. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Chemie einfach nicht gestimmt hat. Sein Verhalten war wahrscheinlich nicht hilfreich aber nicht zwangsläufig dafür verantwortlich war, dass es nicht geklappt hat.
 
Und trotzdem, die (tatsächlich recht frustrierende) Bilanz dieses desaströsen Donnerstags: Manchmal aber nur manchmal, haben Frauen ein kleines bisschen Bad Boy gern.


Fee

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