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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Donnerstags-Desaster #9

Mein Leben als Heartbreaker

Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich nicht die geringste Erfahrung damit habe, Menschen abzuweisen
(Es sei denn, es handelt sich um Grabbelfinger im Club, Anstupser auf Facebook o.ä.). Zum Glück, wie ich jetzt sagen kann, denn solche Aktionen bringen echt keinen Spaß.
Es fällt mir einfach unendlich schwer, Personen, die ich wirklich gern habe, vor den Kopf zu stoßen. Und das musste ich bisher auch nie so richtig - bis zu dieser Sache mit Jura-Jonas. Ihr erinnert euch, der super süße Typ, total nett und charmant, bei dem es einfach nicht funken wollte. Als ich gesagt habe, ich müsse den Kontakt abbrechen, hätte ich nie gedacht, dass es so schwer wird. Schon die ganze letzte Woche hatte ich Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, was ich dem armen Kerl da antue. Kleiner Feigling der ich bin, habe ich gehofft, er würde merken, dass ich kein Interesse habe, wenn ich mich einfach weniger melde, meine Antworten knapp halte und an Kuss-Smileys und Co. spare. Prompt stand der Gute bei mir im Laden (Dazu sollte ich erwähnen, dass der Laden, in dem ich neben dem Studium arbeite ein Damen(!)-Oberbekleidungsgeschäft ist, also zunächst kein Ort, an dem sich alleinstehende Männer üblicher Weise herumtreiben), um zu fragen, was denn los sei, dass wir kaum mehr voneinander hören. Mit Herzklopfen bis zum Hals hab' ich ihn dann auf „Irgendwann mal in Ruhe“ vertröstet, woraufhin er nur mit unverhohlenem Zynismus fragte, ob ich seine Nummer wohl noch hätte. Und trotzdem hat er sich später gemeldet.
Spätestens da konnte ich die ganze Angelegenheit nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, gerade weil ich Jonas wirklich gern habe. Mir mag auch nicht einleuchten, wie einige Typen uns guten Gewissens über Monate hinweg hinhalten können, ohne auch nur einen Gedanken an mögliche Konsequenzen zu verschwenden. Keine Ahnung, wie das geht.
Als ich Jonas schließlich geschrieben habe, dass ich nicht glaube, dass mehr aus uns wird, hatte ich einen riesigen Kloß im Hals und Bauchweh vor lauter schlechtem Gewissen. Auf meinen Text über acht Zeilen, der impliziert, wie leid es mir tut und dass er ein toller Mensch ist, kam von Jonas nur ein „Witzig, dass du dafür so lange gebraucht hast. Ich fühle mich so richtig verarscht.“ Natürlich sind drei Monate eine lange Zeit, allerdings haben wir uns so selten getroffen, dass ich einfach nicht frühzeitig das Handtuch werfen und mir eingestehen wollte, dass es nicht passt. Aber am Ende ist man dem Gegenüber einfach eine ehrliche Einschätzung schuldig. JUNGS, jedes Mädchen verdient eine anständige Erklärung für euer manchmal noch so abstruses Verhalten. Den Kontakt abzubrechen oder besagte Lady gleich zu blockieren ist nun wirklich keine legitime Option. Auch wenn es unter Umständen echt unangenehm werden kann: Denn obwohl Jonas der wahrscheinlich höflichste Typ der Welt ist, hat mich sein gekränkter Stolz förmlich durch den Bildschirm hindurch angespuckt. (Die Beziehung zwischen Männern und ihrem Stolz werde ich wohl nie so ganz verstehen; Was ist das bloß?) Er mochte mich jedenfalls wirklich gern und mein Verhalten sei einfach nur schäbig, dafür gäbe es keine Absolution.
Die will ich ja auch gar nicht und ich bin mir meiner Schuld bewusst aber solch harte Worte hätte ich nicht erwartet. Das hat mich ehrlich aus den Socken gehauen. Schließlich hab ich ihn nie belogen, ihm große Versprechungen oder etwas vorgemacht. Natürlich kann ich verstehen, dass er verletzt ist aber mich anzupöbeln und mir zu sagen, dass es eigentlich auch nicht schade drum sei, das geht ein wenig zu weit. Leicht ist mir das Ganze auch nicht gefallen, ich hatte Tränen in den Augen und hätte mich am liebsten geohrfeigt, weil ich mein „Geständnis“ so lange hinausgezögert habe.
Hier also ein Learning
(Ja ja, ich studiere irgendwas mit Medien, da redet man irgendwann so) für die Zukunft: Am besten SOFORT reagieren, sobald sich erkennen lässt, dass unterschiedliche Erwartungen an die Beziehung bestehen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass es bei den meisten Männern gar nicht mal so einfach ist, ihre Intention überhaupt irgendwie zu deuten – Ich wusste zum Beispiel lange gar nicht, was Jonas sich von unseren Treffen erhofft.
Trotz alledem: Auch wenn ich es damals nicht so interpretieren konnte und nie irgendwelche bösen Absichten hatte, war mein Verhalten ziemlich egoistisch und ich hatte nicht das Recht, Jonas über Wochen im Dunkeln tappen zu lassen. Das tut mir ehrlich Leid und ich wünsche ihm alles Liebe und Gute für die Zukunft.
Zum Schluss gibt es heute sogar noch ein weiteres Learning: Mir fällt es jetzt viel leichter, die Jungs zu verstehen, die sich irgendwann einfach nicht mehr melden. Ich glaube, oft stecken dahinter gar nicht Boshaftigkeit oder Gleichmut, sondern Hilf- und Ahnungslosigkeit. Manche meinen vielleicht sogar, sie würden sich richtig verhalten und uns so Schlimmeres ersparen. Daran merkt man dann allerdings, dass es wirklich noch Jungs sind, die sich still und leise zurückziehen anstatt ihren „Mann“ zu stehen. Das ist okay und ich würde sie deshalb nicht als feige beschimpfen. Viele wählen einfach den Weg, der sie am wenigsten Überwindung kostet, weil sie sich der Herausforderung nicht gewachsen fühlen. Sich aktiv mit solchen Situationen auseinanderzusetzen erfordert eben eine Menge Mut.
 
 
Fee

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