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Donnerstag, 7. Januar 2016

Donnerstags-Desaster #12

Such a clichée

Ich sitze in der Bib, versuche mich um meine Hausarbeit zu drücken, wegen der ich eigentlich hier bin, indem ich einen fetzigen Desaster-Post verfasse und mir will einfach kein gescheites Thema einfallen. Stattdessen starre ich nun schon eine ganze Weile auf die traumhaften mintfarbenen Sneaker des eifrig in seinem Lehrbuch wühlenden jungen Herrn zu meiner Rechten.
Bei mir ist im Moment im wahrsten Sinne des Wortes tote Hose
und zu meiner Schande bin ich nicht die einzige, die sich dessen bewusst ist: Ich tigere unruhig durch die Gegend und strecke den Hals nach jedem halbwegs attraktiven Männchen. Furchtbar, aber was will man machen. Zu allem Überfluss erreicht mich kürzlich dann eine liebreizende Nachricht von Justin, seines Zeichens Trainer im Fitnessstudio meines Vertrauens, Ausrutscher nach der Trennung von meinem Exfreund und neuerdings glücklich vergeben: „Hast du eigentlich inzwischen einen Freund?“ - Nee man, nee.
Vielleicht fange ich die Geschichte besser dort an, wo alles begann: In der Muckibude.
Seit ich Justin dort das erste Mal erblickt habe, fällt es mir zunehmend schwer, stetig zu atmen und ihn nicht permanent aus großen Kulleraugen anzustarren, so schön ist dieser Kerl. Ewig lange Wimpern, eisblaue Augen und volle Lippen, auf die er sich von Zeit zu Zeit verwegen beißt. Dazu ein Körper, der verboten gehört. Kein Wunder also, dass es mir beim Anblick dieses Prachtexemplars nicht nur einmal die Sprache verschlagen hat. Weil Justin dasselbe studiert, haben wir uns ab und zu unterhalten, rein platonisch natürlich, zu der Zeit war ich bis über beide Ohren in meinen damaligen Freund verliebt und hätte nicht im Traum daran gedacht, etwas mit Justin anzufangen. Das änderte sich eine Weile nach der Trennung: Da dachte ich dann nämlich im Traum immer öfter an Justin den Trainer. Erstaunlicherweise hatte er wirklich Interesse an einem Treffen – Er könne mich ja nach der Arbeit besuchen. Dass keine zehn Minuten nach meinem „Klar, kannst du schon machen.“ die Klingel läuten würde, hätte ich allerdings nicht erwartet. In der festen Annahme, er würde bluffen, stand ich also vollkommen verdattert in der Tür, Schlabberpulli bis zu den Knien und fettige Haare, während er mich nur schief angrinste. Dem Wasser, was ich im Angebot hatte, mangelte es deutlich an Sprudel und alles, was ich an Snacks auftreiben konnte waren eine halbe Gurke und dröge Cracker ohne Dip. Das schien Justin jedoch nicht im Geringsten zu tangieren, der es sich inzwischen auf meiner Couch bequem gemacht hatte und genüsslich an einem Stückchen Gurke knabberte. Tatsächlich ist mir zu dem Zeitpunkt nicht aufgefallen, dass er wirklich einen Bilderbuch-Fitnesstrainer abgibt: Hübsch und athletisch, aber leider blöd wie Brot. Wie gesagt, damals war ich begeistert von unseren Gesprächen und dem Typen generell. Die Hoffnung, er könne mein vorschnelles Versprechen, ihn nach seinem Workout zu massieren, inzwischen vergessen haben, musste ich recht schnell aufgeben; Natürlich forderte das Schlitzohr meine Dienste unmittelbar ein. In der Praxis gestaltet sich ein solches Unterfangen allerdings als gar nicht so einfach: Schließlich will man den Kerl ja auch nicht direkt ins eigene Kuschelbett verfrachten und auf dem Fußboden liegt es sich doch recht unbequem. Aber Bett oder nicht, kaum lag Justin oben ohne vor mir auf dem Sofa, war es ohnehin um mich geschehen. Stets bemüht, ihn dabei nicht anzusabbern, habe ich den Guten ordentlich durchgeknetet – Versprochen ist schließlich versprochen. Ich war absolut Herrin der Lage, bis er sich - ganz ohne Vorwarnung - umgedreht und mich an meinem geflochtenen Zopf zu sich heruntergezogen hat. Weder mein vehementes Kopfschütteln noch die aufgerissenen Augen konnten Justin davon abhalten, mich leidenschaftlich zu küssen und übers halbe Sofa zu schleudern. Bei meinem Kampfgewicht eine reife Leistung, wie ich behaupten würde. Halb schlechtes Gewissen beim Gedanken an meinen Ex, halb Unglaube, dass sich diese Szene gerade wirklich in meinen beschaulichen vier Wänden abspielt, war ich kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Schließlich habe ich nachgegeben – Wer könnte sich schließlich besser eignen um über eine tränenreiche Trennung hinwegzukommen als der fantastische Fitnesstrainer?
Eines kann ich euch sagen: So einfach ist das leider nicht. Trotzdem haben wir uns noch ein/zwei mal getroffen, obwohl der Herr jedes Mal massenhaft Divenallüren an den Tag gelegt hat: „Nein, das mach ich nur, wenn ich mit jemandem zusammen bin - und auch nicht immer“ Aha, also Weihnachten und Ostern konzentrierst du dich vielleicht mal nicht nur auf deine eigenen Bedürfnisse, prima. „Hmm nee, also jetzt, wo du Bier getrunken hast, mag ich dich nicht mehr küssen.“ Drei mal Zähneputzen später – Ehrlich? Allerdings konnte ich mich freuen, wenn überhaupt ein Treffen zustande gekommen ist, Justin ist nämlich „busy“ (Zitat Ende). Unser letztes privates Treffen liegt inzwischen über 8 Monate zurück und Justin hat inzwischen eine Freundin, was er mir auch unmittelbar unter die Nase gerieben hat, ganz unauffällig natürlich, zwei Sätze nach seinem „Wie läuft's denn bei dir eigentlich mit den Männern?“. Aber da unsere Quote ohnehin verschwindend gering ausfällt und das Ganze im Endeffekt auch mehr pfui als hui war, war dies kein allzu großer Verlust.
Ungünstig ist die Tatsache, dass wir uns wirklich regelmäßig begegnen, wenn ich mich entscheide, dass es doch an der Zeit ist, sich mal wieder sportlich zu betätigen. Aber auch das funktioniert inzwischen reibungslos: Auf seine „typisch Trainer“-Begrüßungsfloskel folgt in der Regel ein übertrieben freundliches „Hiii“ meinerseits, bevor ich mich schnurstracks vom Acker mache.
Dann und wann schreibt er mir freundlich-interessierte Nachrichten via WhatsApp à la: „Frohe Weihnachten, ist das dein Freund auf dem Profilbild? Nein? Aber du schläfst mit ihm?“ FYI: Neben mir auf dem Bild ist mein entzückender kleiner Bruder zu sehen, den Justin eigentlich kennen sollte, schließlich trainieren wir häufig zusammen und sehen uns nicht ganz unähnlich. „Ka du warst ja mit mehreren zuletzt beim Sport“ - Oh ohh, ich schlüpfriges Ding, wie kann ich es wagen, meine Trainingspartner zu wechseln.
Zuletzt
ist im Übrigen das einzige Wort, dessen Existenz in seinem Sprachgebrauch mich wirklich überrascht hat – Die Tatsache allerdings, dass er versucht, es in jeden zweiten Satz einzubauen, schmälert meine anfängliche Begeisterung um einiges.
Der wirklich spannende Part des Ganzen kommt aber noch: Bei Justin und seiner Süßen scheint es reichlich zu kriseln, ansonsten kann ich mir sein „Es ist kompliziert und ich hab echt Bock auf dich“ am hellichten Tage kaum erklären. Aus mir spricht nicht die geringste Schadenfreude, ehrlich! Ich gönne es keinem Mädchen, dass sein Freund so fiese Matenten abzieht, und doch verschafft es mir ein ganz klein wenig Genugtuung, dass ich Justin genau richtig eingeschätzt habe.
Trotz vorherrschender Dürre werde ich natürlich nicht im Ansatz auf sein Werben eingehen, wir Mädels müssen schließlich zusammenhalten!
 
Fee

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