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Donnerstag, 31. März 2016

Donnerstags-Desaster #16

Rosen sind rot, Veilchen sind blau

Und beschwipste Gespräche sind niemals schlau. Das sollte ich mittlerweile eigentlich wissen, schließlich habe ich mit meinen stolzen einundzwanzig Jahren durchaus am einen oder anderen Gläschen genippt und trage die dementsprechend einige schmerzliche Erinnerungen an den Morgen danach mit mir herum: Das böse Erwachen, wenn man schläfrig und verkatert aufs Handy schielt und sich so langsam die Konversationen der letzten Nacht auf dem gleißend hellen Bildschirm herauskristallisieren.
 
Samstag Abend war toll, wir hatten eine Menge Spaß und eisgekühlte Getränke. Und vor lauter Übermut kam scheinbar niemand von uns darauf, dass es vermutlich keine gute Idee wäre, sämtlichen Verflossenen zu schreiben, die mein Kontaktbuch so bereithielt.
So hielt ich es zum Beispiel für unverzichtbar, Mr. Starwars, der mir zuletzt an Neujahr „Grüße aus Berlin.“ geschickt hatte, selbige zu retournieren – Wozu gibt es schließlich die Städtefilter auf Snapchat? Den Blaubären habe ich nur gefragt „Du? Was war denn da eigentlich los?“, hatte mich seine unwirsche letzte Nachricht doch nachhaltig beschäftigt. Außerdem war es sicherlich notwendig, Mr. Start-Up mitzuteilen, dass ich ihn wirklich mag und mich riesig über mehr Kontakt freuen würde ... Dagegen wirkt die Lobeshymne auf die Fingerfertigkeit meines letzten Techtelmechtels fast schon harmlos – Der Typ war zudem ganz begeistert und hat sich wahrscheinlich noch nie so männlich gefühlt.
Ein paar unverfängliche „Hey, was geht so bei dir“s später war meine Schreiblust glücklicherweise gestillt und ich konnte mich den wirklich wichtigen Dingen im Leben widmen, wie zum Beispiel der Akquise von Kerlen im Club. Das hätte ich allerdings lieber lassen sollen, aber dazu nächste Woche mehr.
Am nächsten Morgen dann, während ich mir noch verschlafen die Äuglein rieb und den fantastischen Abend Revue passieren ließ, schwante mir Böses. Der zögerliche Griff zum Telefon hat meine Befürchtungen schließlich nicht nur bestätigt, sondern gar übertroffen, vor allem im Hinblick auf die Quantität meiner trunkenen Aktivitäten.
Vor lauter Panik habe ich erst einmal ausnahmslos alle Chats inklusive Beweismaterial gelöscht. Im Nachhinein nicht besonders klug, denn früher oder später möchte man sich natürlich mit dem genauen Wortlaut auseinandersetzen, die Gespräche analysieren und darauf basierte Zukunftsprognosen stellen. Außerdem muss man so jedes Mal mutmaßen, worauf sich etwaige Antworten und Folgenachrichten beziehen, was mitunter eine echte Herausforderung darstellen kann. Vielleicht ist die bessere Alternative demnach, sich einfach den Inhalten zu stellen und die Chats tapfer Wort für Wort durchzugehen.
Die Bilanz meines Abends: Sechs mehr oder weniger geistreiche Konversationen, die zwar vollkommen unnötig, im Endeffekt aber nicht halb so schlimm und peinlich waren, wie befürchtet. Das ist praktisch, denn so musste ich nicht umgehend ein Loch graben, um die nächsten Wochen und Monate darin zu fristen, bis Gras über die Sache gewachsen wäre, sondern kann nun diesen Post verfassen. Plus: Der Blaubär und ich hatten auf meine Frage hin ein klärendes Gespräch, in dem wir beide unsere Sicht der Dinge erläutert haben – Und wenn er aus dem Urlaub zurück ist, haben wir tatsächlich ein Date. Mr. Starwars schreibt mir seitdem ab und zu, scheinbar kontaktieren ihn nur noch Männer und Transsexuelle, seitdem er mich abgeschossen hat, die aber „mit mir nicht mithalten konnten und können.“ - Auch, wenn der Vergleich ein wenig hinke, wie er schließlich zugeben musste. So etwas nennt man wohl Karma, Darling. Trotzdem haben wir seither ein paar mal geschrieben und über die Situation damals geredet, was irgendwie gutgetan hat. So bedeuten also nicht alle Gespräche, die wir betrunken beginnen, dass wir unseren Stolz über Bord geworfen und unsere Selbstachtung aufgegeben haben; Manchmal fehlt uns nüchtern einfach der Mut. Das erklärt vielleicht auch ein Verhaltensmuster, dem so ziemlich jede Frau zum Opfer fällt, sobald sie die „N Sekt vielleicht“-Grenze überschritten hat: Auf die Frage, ob man betrunken sei, antwortet man natürlich nicht wahrheitsgemäß („Ja ja, ich bin blau wie die Tiefen der See.“), sondern flunkert dem Gegenüber vor, dass man lediglich leicht angetrunken sei - Wenn überhaupt! Ansonsten würde ja auch niemand die tiefsinnige Gefühlsduselei ernst nehmen und das wäre doch wirklich fatal. Schließlich steckt am Ende meist doch ein Fünkchen Wahrheit in dem, was wir uns nüchtern nicht trauen, auszusprechen.
 
 
Fee

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