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Donnerstag, 5. Mai 2016

Donnerstags-Desaster #19

Von gelöschten Nummern und gebrochenem Stolz
 
Immer, wenn eine Männergeschichte für mich zu Ende geht, sei es so langsam dahinsiechend oder mit einem katastrophalen Knall, lösche ich die betreffende Nummer und alles, was dazugehört. Die Bilder, Chatverläufe, die Screenshots von Chatverläufen, die ich meinen Mädels habe zukommen lassen, wirklich ALLES. Meine beste Freundin hat mir neulich voll Bewunderung gebeichtet, dass sie dazu nicht in der Lage sei – Einen Kerl in Sekundenschnelle so endgültig aus ihrem Leben zu streichen, jede noch so kleine Chance auf weiteren Kontakt auszulöschen. Nun liegt die Begründung für meine kühn-konsequente Vorgehensweise keinesfalls darin, dass ich eine herzlose Eiskönigin bin, sondern ist vielmehr als reine Selbstschutzmaßnahme zu sehen. Ich kenne mich mittlerweile ziemlich gut, ich weiß, wie verrückt mich ein „Zuletzt online heute um 15:47“ um 15:51 macht, wie fanatisch ich neue Stati analysiere und schnuckelige Profilbilder anschmachte. Und schließlich das Wissen, dass ich ihm jederzeit schreiben könnte, während ich permanent mit mir ringe, ob dies wohl eine gute Entscheidung wäre. All die Zeit, die ich damit verbringe, in Gedanken verzweifelt mögliche Gesprächsanfänge zu konstruieren, so locker, dass er sich traut, zu antworten und gleichzeitig so komplex, dass keine unverbindliche Ein-Wort-Antwort folgt.
Früher oder später kann ich mich nicht mehr zurückhalten, spätestens, wenn ich etwas getrunken habe oder wenn ich mich doch einmal einsam fühle: Ich springe über meinen Schatten, breche den Schwur, den ich bei der Löschung feierlich geleistet habe und werfe voller Enthusiasmus meinen Stolz über Bord. Denn ob ich will oder nicht, es ist nun mal eine schöne Art der Bestätigung, wenn der Mann, den ich toll finde, mir schreibt und Interesse bekundet.
 
Dabei habe ich doch eigentlich beschlossen, stark zu bleiben und mich nie (, NIE, NIE) wieder zu melden. Verdient hat er es garantiert nicht und wenn er mich vermissen würde, hätte er sich schon längst selber gemeldet. Das passiert erfahrungsgemäß allerdings selten; Sie schreiben, weil sie „horny sind, weil ihnen langweilig ist, oder weil sie einfach nicht verstanden haben, dass dies ein endgültiges „Hau rein! Ich wünsch' dir viel Glück, da, wo der Pfeffer wächst“ war. Dann kommt nach drei Wochen wie aus dem Nichts ein „Hi, was geht?“ - Als wäre nichts gewesen! Manchmal habe ich das Gefühl, dass Jungs nicht einmal merken, was sie verpassen, wenn man es ihnen auf dem Präsentierteller serviert oder mit Gewalt unter die Nase reibt. Und so sehr man es auch versucht, man kann eben doch niemanden zu seinem Glück zwingen.
Es fällt mir nie leicht, eine Nummer zu löschen, schließlich hängen so viele Erinnerungen daran, Erinnerungen an die schönen Momente, an die süßen Nachrichten, die mich zum Schmunzeln gebracht und mir die Röte ins Gesicht getrieben haben. Es ist also wirklich nicht so, dass ich durch einen Klick innerhalb von Sekunden mit jemandem abschließen kann; Wie jedes Mädchen denke ich noch tagelang darüber nach, was gewesen wäre, wenn. Mir fallen witzige Sprüche und Fun Facts ein, die ich gerne verschicken würde und ich könnte mir selbst circa siebenunddreißig mal am Tag in den Arsch beißen, weil ich ihm nie wieder schreiben kann - Gleichgültig ist anders.
 
Manchmal wünschte ich, es wäre so: Ein Augenblinzeln und der Typ ist vergessen, der Kummer wie weggeblasen. Und dann bin ich froh, dass es nicht so ist. Dass ich mich begeistern, meine Gefühle zeigen und zelebrieren kann!
 
 
Fee

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