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Donnerstag, 19. Mai 2016

Donnerstags-Desaster #20

Das diffuse dritte Date
 
„Uuund wie war dein Date? Ging denn gestern endlich mal was bei euch Turteltäubchen?“ - Mädchengespräche am Morgen danach. Tatsächlich gibt es bei mir in der Regel auch einiges zu erzählen: Witzige Anekdoten zum Thema Mann und pikante Details aus dem Nähkästchen.
Zur Zeit verhält es sich ein wenig anders: Ich treffe mich gerade mit einem wahren Wunderburschen, er ist intelligent, eloquent, ziemlich sexy und riesengroß. Und das vielleicht wunderbarste an ihm: Er hält es mittlerweile schon fast einen Monat lang mit mir aus, ohne panisch die Flucht zu ergreifen. Wir lachen viel, wenn wir zusammen sind und ich fühle mich in seiner Nähe wirklich wohl. Als wir uns nach unserem ersten Treffen zum Abschied umarmt haben, mochte ich gar nicht mehr aufhören: „Ohh, tut mir Leid, dass passiert mir für gewöhnlich nicht!“, stammelte ich mit hochroten Ohren, als ich mich dann doch losreißen konnte.
Während ich felsenfest davon überzeugt war, dass ich mir mit meinem beherzten Klammergriff sämtliche Chancen auf ein Wiedersehen verspielt hätte, schrieb er am nächsten Tag, es habe ihm sehr gut gefallen und er wolle mich gern bald wieder treffen. Ganz meinerseits, Monsieur, ganz meinerseits. Mittlerweile, drei Dates später, passiert außer der allabendlichen Abschiedsumarmung aber noch immer absolut nichts. Für mich durchaus ein ungewohnter Zustand, wollen die meisten Kerle mir spätestens bei dritten Treffen doch mit Sicherheit an die Wäsche. Dies scheint völlig normal, so heißt es in diversen Flirtguides und Beziehungsratgebern: „Solltet ihr es bis hierher geschafft haben, geht es nun ans Eingemachte. Nichts anderes bedeutet die Verabredung zu einem dritten Date.“ - Gefolgt von den 5 wichtigsten Tipps, damit das dritte Date ein grandioser Erfolg wird. Die „Drei“ ist also die magische Zahl schlechthin, was das moderne Dating angeht.
Kein Wunder also, dass ich als Antwort auf mein enthusiastisches „Gestern haben sich unsere Beine beim Hinsetzen kurz berührt!“ nur gackerndes Gelächter von meinen Mädels geerntet habe. Aber besser als nichts, oder?
Ich weiß selbst nicht so recht, was ich davon halten soll, dass er noch nicht einmal Anstalten macht, meine Hand zu nehmen oder sie wenigstens ganz zufällig zu streifen.
Dabei ist es doch eigentlich genau das, was sich jedes Mädchen wünscht: Einen Kerl kennenzulernen, der sich wirklich für einen interessiert, für den der Charakter zählt und der sich bemüht, ganz ohne schlüpfrige Hintergedanken.
Nun muss ich gestehen, dass mir gerade dieses Verhalten bei Männern mittlerweile äußerst suspekt erscheint – Vielleicht, weil solche Exemplare so selten sind, dass sie einem kaum über den Weg laufen, weil mein Männergeschmack dem einer hirntoten Kartoffel gleicht oder aber weil ich seit meinem fünfzehnten Geburtstag kein drittes Date mehr hatte, das nicht mindestens mit einem flüchtigen Kuss geendet hat. Statt mich zu freuen, finde ich den Umstand also schlichtweg verdächtig und frage mich, was wohl mit mir nicht in Ordnung sei; Ob er mich vielleicht nicht attraktiv genug findet oder einfach körperlich abstoßend... Irgend einen offensichtlichen Grund muss es schließlich dafür geben, dass er mich nicht einmal mit der Kneifzange anpacken möchte. Wenigstens bin ich nicht die einzige, die so denkt: „Wie, ihr habt euch nicht einmal geküsst? Ist das Date wirklich so schlecht gelaufen?“, brachte eine Freundin es auf den Punkt. Eigentlich hatte ich unsere Zusammenkünfte jedes mal unter „voller Erfolg, Wiedersehen garantiert“
verbucht (wenn auch mit Vorbehalt), doch so langsam nagen massive Zweifel an mir.
 
Es ist wirklich erschreckend, wie sehr wir den Erfolg eines Dates von der körperlichen Komponente abhängig machen; Dass wir uns so sehr daran gewöhnt haben, dass „etwas läuft“ und wir die Zuneigung des Gegenüber daran festmachen, statt uns darüber zu freuen, dass wir keinen vorschnellen Taugenichts vor uns haben sondern einen Märchenprinzen, der seine Prinzessin erst richtig kennenlernen will, bevor er sie wach küsst.
 

Fee

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