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Mittwoch, 1. Juni 2016

Donnerstags-Desaster #21

Let it go!

Ich möchte mich hiermit aufrichtig entschuldigen, sollte den einen oder anderen in den nächsten Tagen aufgrund des Titels ein penetranter Ohrwurm verfolgen, der die Betroffenen schrill kreischend in den Wahnsinn treibt. Ich konnte einfach nicht widerstehen... #sorrynotsorry ♥
 
 
Manchmal braucht man eben einen richtigen Knall, einen Schocker, um zu verstehen, dass etwas falsch läuft.
Mit dieser Aussage hat meine Mitbewohnerin den Nagel auf den Kopf getroffen. Tatsächlich erwische ich mich oft dabei, wie ich die eine oder andere Männergeschichte einfach laufen lasse, halbherzig und uninspiriert, obwohl ich genau weiß, dass nie mehr daraus werden wird. Ich bin zu feige und zu faul, die Sache zu beenden, ehe ich nicht dazu gezwungen bin.
Wie neulich zum Beispiel bei Justin dem Trainer, dem ich nie sagen konnte (oder wollte), dass wir besser keinen Kontakt haben sollten, während ich auf seinem Sofa saß und die Tränen zurückhalten musste, die vor lauter Wut in meinen Augen brannten. PENG, All der Zauber war plötzlich verflogen, als hätte mir jemand die Augen geöffnet, sodass ich endlich sehen konnte, was für eine Zeit- und Ressourcenverschwendung ich da betrieb. Eine derartige kompromisslose Selbstgerechtigkeit, gepaart mit der Empathie eines Ebers, habe ich selten erlebt. Solche Typen braucht einfach niemand! Warum sollte ich meine kostbare Zeit und Aufmerksamkeit Justin und Co. schenken, wo sie mein Leben in keinster Art und Weise bereichern? (Tatsächlich vermochte nämlich nicht einmal Justins makelloser Körper sexuelle Defizite auszugleichen, von charakterlichen Mankos ganz zu schweigen)
So halbgare Sachen sind super als temporäre Trostpflaster, als amüsantes Geplänkel, doch wirklich glücklich machen sie uns am Ende nicht. Eigentlich weiß ich das, in besonders lichten Momenten frage ich mich sogar, warum ich nicht jede hoffnungslose Bekanntschaft, die offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist, beende, sobald mir auffällt, dass die Lage aussichtslos ist. Stattdessen praktiziere ich weiterhin brav inhaltslosen Smalltalk via WhatsApp, mache mich hingabevoll zurecht für Treffen voll oberflächlicher Gespräche und emotionslosem Sex. Ich pushe, schminke und nicke zustimmend, während er von seinem brandneuen aber todlangweiligen Projekt erzählt, während ich in Gedanken meine Woche plane und alle drei Minuten auf die Uhr schaue. Und wofür das ganze? Es ist Balsam für mein Ego, zumindest kurzfristig - Genau so lange nämlich, bis ich wieder wochenlang auf ein Lebenszeichen warte und merke, dass ich gar nicht den Typen selbst vermisse, sondern sein Interesse, seine Aufmerksamkeit.
Wie kommt es, dass wir uns häufig dafür entscheiden, trotz massiver Zweifel zu bleiben, anstatt einfach loszulassen? „Einfach“. Ich weiß, das ist leichter gesagt, als getan. Noch nie war ich so unglücklich, wie in den letzten Wochen meiner letzten Beziehung. Doch statt mir einzugestehen, dass es vorbei ist, habe ich gekämpft bis zum bitteren Ende, habe sehr viel investiert und dabei sehr viel von mir aufgegeben. Ich war ein Schatten meiner selbst, doch dieses Opfer habe ich gern gebracht; Ich hätte alles getan, damit es funktioniert.
Rückblickend finde ich erschreckend, dass ich es so weit habe kommen lassen, aber wie heißt es so schön: „Das Herz will, was das Herz will.“ und meines war damals eben im Selbstzerstörungsmodus. Natürlich passiert mir das auch heute noch ab und zu, aber ich habe meine Lektion gelernt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Denn auch, wenn ich die folgenden vierzehn Tage damit verbracht habe, Tempoburgen zu bauen, meine Haare einer unfreiwilligen Fettkur zu unterziehen und mein Bett nur verlassen habe, um die Bar meines Vertrauens aufzusuchen, bin ich mittlerweile froh, dass es vorbei ist. Nicht, weil ich die Zeit, in der alles perfekt schien, nicht zu schätzen wüsste – Die bewahre ich sicher in meinem Marmeladenglas für schöne Momente auf – Sondern weil ich die neu gewonnene Freiheit liebe.
 
Häufig braucht es eine Weile, bis man sich überhaupt bewusst wird, dass es so nicht weitergeht, nicht weitergehen kann – Oder eben einen ordentlichen Knall. Und wenn wir dann mit dem Gedanken spielen, auszubrechen, einen Schlussstrich zu ziehen und alles hinter uns zu lassen, sind sie plötzlich da und so präsent wie nie: Zahllose Erinnerungen an die schönen Momente und mindestens eine Milliarde Gründe, warum wir dem Ganzen noch eine Chance geben sollten. Nicht zuletzt bohrende Ängste und Zweifel, was uns erwartet, wenn wir uns trennen – So ganz allein in der großen weiten Welt.
Die Vorstellung, dass alles umsonst war und man nun ganz von vorn anfangen muss, ist grauenvoll, außerdem ist das Dating-Business bekanntlich müßig, nervenaufreibend und selten von Erfolg gekrönt. So gehen wir lieber Kompromisse ein und reden uns ein, alles würde wieder gut (irgendwann, bestimmt!). Vor lauter Bequemlichkeit verbauen wir uns eine reelle Chance auf das große Glück. Dabei kann „Alleinsein“ so befreiend sein; Endlich einmal nur das tun, was man wirklich will und keine Rücksicht auf skurrile Spleens und überkandidelte Allüren irgendwelcher Kerle nehmen müssen. Wie cool ist es bitte, abends allein auf dem langen Ende der Couch zu liegen, einen Pott Eis in der Hand, den man nicht in Windeseile auslöffeln muss, um überhaupt etwas abzubekommen? Endlich wieder Zeit für die tollsten Mädchen der Welt zu haben? Endlich wieder Sex and the City und Castingshows im geliebten Kuschelpyjama statt dem neckischen Negligée, das zwar durchaus sehr reizvoll sein kann, allerdings hier und da einschneidet und doch ziemlich zwickt.
Nur so lange natürlich, bis einer kommt, bei dem wir uns wirklich sicher sind. Einer, bei dem wir vor lauter Vermissen eingehen, wenn er sich nur zehn Minuten nicht meldet, den wir 24/7 an unserer Seite wollen.
 
 
Fee

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