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Sonntag, 19. Juni 2016

Donnerstags-Desaster #22

Was man nicht bekommt …
 
Jetzt ist es amtlich: Irgend etwas stimmt nicht mit mir. Es muss so sein, denn jedes mal, sobald ich anfange, einen Typen wirklich zu mögen, ergreift jener schlagartig die Flucht. Wortlos natürlich, damit ich mein Verhalten im Hinblick auf die betreffenden Störfaktoren ja nicht optimieren kann und folglich dazu verdammt bin, den Rest meines Lebens allein zu verbringen. Nicht ganz allein natürlich sondern mit meinen siebenundzwanzig Katzen und einer Horde Dekokissen.
Ehrlich, was spräche dagegen, einen Erfahrungsbericht einzureichen, der positive sowie negative Aspekte des Techtelmechtels aufzählt und den Trennungsgrund in zwei Sätzen zusammenfasst? Mir würde tatsächlich schon ein kurzes Statement reichen à la „Sorry, das mit uns funktioniert nicht. Du bist einfach ein krasser Kontrollfreak und ich hasse es, dass du ständig über alles Bescheid weißt, weil du dein halbes Leben auf Facebook verbringst.“ oder „Deine Performance im Bett ist eine absolute Katastrophe, da mach' ichs mir lieber selber!“ - Das wäre okay, so wüsste ich zumindest, woran es lag und müsste nicht Tag und Nacht den Fehler bei mir selbst suchen; Mein Verhalten während der letzten gemeinsamen Stunden von A bis Z analysieren, jeden Handgriff, jedes einzelne meiner Worte kritisch unter die Lupe nehmen. Was ist das bloß, dass wir Frauen immer das Gefühl haben, wir hätten etwas falsch gemacht und es wäre allein unsere Schuld, dass es nicht funktioniert hat?
 
Nun zur Fallstudie: Ich habe also diesen Kerl kennengelernt. Ja, das passiert mir öfter, aber dieses Mal war es anders. Obwohl Tim augenscheinlich nicht mein Typ war (optisch gefiel er mir zwar ganz gut, aber eigentlich war er zu unkonventionell, zu ausgeflippt und viel zu Hipster!), haben wir uns auf Anhieb so gut verstanden, dass mich diese Tatsache nicht weiter störte. Etwas Festes würde daraus sowieso nicht, dessen war ich mir sicher. Und trotzdem: Selten war jemand so nett, so liebevoll und geduldig mit mir, hat mir das Gefühl gegeben, das tollste Mädchen der Welt zu sein. Er wirkte fast schon besorgniserregend begeistert von allem, was ich tat oder sagte – Tatsächlich hatte ich damals sogar Angst vor dem großen Knall; Davor, was passieren würde, wenn ich am Ende wirklich nicht so sehr into it wäre wie er. Andererseits musste ich mir so auch keine Gedanken machen, dass ich etwas falsch machen und so alles versauen könnte.
Vor Tim war mir nichts peinlich, ich habe ihn im Schlabberlook empfangen, ihm meine wirrsten Gedanken anvertraut und alles erzählt, was mir auf dem Herzen lag. Sogar so eigenartige Verhaltensweisen, die ich für gewöhnlich bis zur Verlobung für mich behalte, waren kein Problem. Es hat eine Weile gedauert, bis wir schließlich miteinander geschlafen haben – Einfach, weil ich das Gefühl hatte, das es richtig sei und ich wollte, dass es etwas Besonderes wird. Natürlich kam alles anders: Morgens zwischen Tür und Angel nämlich, bevor er für einige Tage nach Mallorca fliegen sollte. Zu dem Zeitpunkt war ich noch felsenfest davon überzeugt, dass es mich nicht im Geringsten stören würde, wenn er dort den einen oder anderen Partyflirt hätte, dafür ist Malle schließlich da. Das änderte sich schlagartig, als mich die ersten Fotos vom Ballermann erreichten und mein rein hypothetischer Freifahrtschein zur reellen Option wurde. Und obwohl Tim mir bereits eine Woche zuvor verkündet hatte, er habe gar keine Lust mehr, sich mit anderen Frauen zu treffen, litt ich Zuhause Höllenqualen. Ich ärgerte mich, dass er sich so selten meldete (was ich vollkommen verstanden hätte, wären es dann keine plumpen Einwortsätze mit zwinkernden Smileys gewesen), fing an, daran zu zweifeln, dass er mich tatsächlich gut fände und machte mir – zum ersten Mal überhaupt – Gedanken, ob da vielleicht doch mehr war. Überlegte sogar, ihn zu meiner Geburtstagsparty einzuladen, wo auch meine Familie anwesend sein würde. Plötzlich war alles anders: Vor unserer Verabredung war ich ganz aufgeregt, bin vollkommen aufgekratzt durch die Wohnung gewuselt und habe mich riesig gefreut, ihn dann endlich wieder zu sehen. Der Abend war perfekt: Picknick im Park, Kuscheln mit Nasenküssen und grandioser Sex, bevor er mich zum Einschlafen ganz fest in den Arm genommen hat. Für mich war die Sache geritzt – Es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis wir das berühmt-berüchtigte „Freund-Freundin-Gespräch“ führen würden. Daran, dass er das vielleicht anders sehen könnte, habe ich zu dem Zeitpunkt nicht im Traum gedacht. Doch seit dem Augenblick, als er die Wohnung verließ, wurde es irgendwie komisch. Er meldete sich kaum noch, antwortete spärlich auf meine verzweifelten Versuche, ein Gespräch zu unterhalten und lehnte mein Angebot, ihn endlich einmal bei sich zu besuchen, ab. Dabei hatte er vorher keine Möglichkeit ausgelassen, Zeit mit mir zu verbringen, mir mehrmals täglich geschrieben und gesnapt. Quasi über Nacht hatte sich unsere vielversprechende Romanze in Luft aufgelöst und ließ mich ratlos zurück. Ohne die leiseste Ahnung, was passiert sein könnte, dafür voll Selbstzweifel und tiefen Kratzern im Lack meines empfindlichen Ego.
 
 
Fee

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