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Donnerstag, 11. August 2016

Donnerstags-Desaster #23

Die Zahl

„Die Zahl“, das ist der Begriff, mit dem meine beste Freundin und ich seit jeher die Anzahl unserer Sexualpartner beschreiben – Eine Zahl, die endlose Diskussionen hervorzurufen vermag und vermeintlich viel über die eigene Person aussagt. Um „die Zahl“ ranken sich viele Klischees, ungeschriebene Regeln und Statistiken; So läge die Anzahl von Männern, mit denen eine Frau im Leben schläft, durchschnittlich bei acht. Ihr kennt das vielleicht: „... Today I also learned that I'm a whore.“

via Pinterest

Für mich bleibt die Summe unserer Sexualpartner eine theoretische Angabe, in ihrer Darstellung völlig aus dem Kontext gerissen, die gerade in der heutigen Zeit kaum mehr eine Relevanz hat. Wirklich wichtig ist, dass man sich mit seiner ganz persönlichen Zahl wohlfühlt, sich treu bleibt und so lebt, dass man später nichts bereut.
 
Früher, genau genommen noch bis vor ein paar Monaten, war es mir unangenehm, mit anderen über die Zahl meiner Sexualpartner zu reden.
Nicht nur aus Angst, als Flittchen oder Schlampe zu gelten sondern auch weil ich mir selbst ungern eingestehen wollte, dass die eine oder andere Erfahrung vielleicht nicht nötig gewesen wäre.
Mittlerweile gehe ich viel entspannter mit dem Thema um - Ich stehe zu meiner Zahl und schäme mich nicht mehr für das, was ich getan habe. Gerade in Relation zur Zahl derer, mit denen ich trotz Bitten, Betteln und Blankziehen nicht geschlafen habe, erscheint mir die momentane Zahl wirklich moderat. Obwohl einige Nieten dabei waren, hat das Ganze auch sein Gutes: Über die Jahre habe ich viel erlebt und gelernt, Erfahrungen gemacht, die meinen Horizont erweitert und mir geholfen haben, herauszufinden, was ich will. Und ich habe heute definitiv besseren Sex.
 
Mit neuen Partnern ist ein wenig wie mit Schokokeksen: Wenn man sich dafür entscheidet, sie zu vernaschen, sollte man sich keine Sorgen machen, die Entscheidung anzweifeln oder permanent über etwaige Konsequenzen nachdenken, sondern einfach den Moment genießen. Denn darum geht es schließlich beim Sex, sich zu entspannen und fallen zu lassen.
Ganz abstellen kann man seinen Kopf natürlich nie, so Gedanken wie „Ach Gottchen, was macht er denn da mit meinem Bein und warum ist mein großer Zeh plötzlich neben meinem Ohr?“ oder „Gut, das scheint ihm zu gefallen!“ gehören schließlich dazu. Nur im Geiste schon mal die Hausaufgaben für die nächste Vorlesung vorzubereiten, die Einkaufsliste auf Vollständigkeit zu überprüfen oder eben Angst vor der steigenden Zahl der Sexualpartner zu haben, sind absolut tabu.
Sowieso finde ich diese Angst und die Art, wie die Gesellschaft mit dem Thema umgeht ein wenig paradox: So gelten Männer, die mit vielen Frauen schlafen, als krasser Typ, als Playboy und Frauenversteher, während Frauen verurteilt und als Bitch abgestempelt werden: „Du hattest Sex mit so vielen Typen? Schon ziemlich heftig.“ Bei solchen Aussagen werde ich regelmäßig ungemütlich – Was glauben die werten Herren denn, wo ihre 45+ Partner herkommen? Tatsächlich denke ich nicht, dass es weltweit ein paar Frauen gibt, deren Zahl bei 1312 liegt, weil der Rest jungfräulich in die Ehe geht. Empirische Forschungen innerhalb meines Freundeskreises unterstützen diese These: So habe ich kaum Freundinnen, die noch immer mit demjenigen schlafen, mit dem sie ihr erstes Mal
hatten. Die gibt es natürlich auch und ich finde die Vorstellung toll, dass so etwas wirklich funktioniert, aber heutzutage geht der Trend nun einmal eher in Richtung Zweit- oder gar Dritt-Liason.
Es ist einfach, unverbindlichen Sex zu haben, mit jemandem zu schlafen, ohne sich zu binden und mehrere Sexualpartner parallel zu unterhalten.
 
Einerseits finde ich diese Vorstellung gruselig und ich frage mich ab und zu, warum überhaupt ein Kerl eine echte Beziehung mit Verpflichtungen, Einschränkungen und den großen und kleinen Streits eingehen sollte, die der Alltag mit sich bringt, wenn er doch theoretisch ohne großen Aufwand eine handvoll zwangloser Techtelmechtel haben kann.
Andererseits bietet diese Entwicklung auch die Möglichkeit, uns auszuleben, vielseitige Erfahrungen zu machen und Spaß zu haben – Auch wenn daraus nicht die große Liebe wird. Ein guter Freund erklärte mir das neulich wie folgt:
„Frauen sollten genauso ihren Spaß haben und sich auszuprobieren, wie Männer - Am Ende profitieren doch beide Partner davon, wenn man weiß, worauf man steht und was man will.“ Ich finde, wenn man Lust hat, mit jemandem zu schlafen, sollte eine fiktionale Zahl im Kopf kein Hindernis darstellen. Jedenfalls sofern nicht noch andere, rational begründete Bedenken dagegen sprechen.
 
Über die Zahl lässt sich natürlich streiten und es gibt diesbezüglich unzählige verschiedene Standpunkte, aber am Ende ist es eben doch nur eine Zahl, die uns weder definiert, noch zu einem besseren, schlechteren oder gar moralisch verwerflichen Menschen macht.
Hauptsache bleibt, dass wir uns selbst treu bleiben und trotz „der Zahl“ mit uns im Reinen sind - Egal, ob das nun drei oder dreiunddreißig ist.


Fee

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