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Donnerstag, 18. August 2016

Donnerstags-Desaster #24

Die Sache mit dem Stolz
 
Ich möchte nicht wissen, wie viele Beziehungen, platonische und amouröse, daran zerbrochen sind, dass einer der Beteiligten zu stolz war.
Zu stolz, über den eigenen Schatten zu springen, zu stolz, sich (schon wieder) als Erste/r zu melden oder einfach klein beizugeben.

 
Das folgende Szenario kennen wir nur zu gut: Man sitzt vorm Handy und starrt auf den Bildschirm, den Mund trotzig und entschieden gespitzt, während dort das eine oder andere gehässige online aufblinkt und wieder verschwindet. Natürlich hätte man tausend tolle Ideen, ein Gespräch zu initiieren, doch der andere ist „an der Reihe“ – Wäre doch gelacht, wenn da nichts käme.
So wartet man ab, wartet auf Bestätigung, auf ein Zeichen, das Interesse signalisiert.
Gerade Männer, so scheint es, legen großen Wert darauf, bloß nicht verweichlicht zu wirken, indem sie sich zu häufig melden oder den Eindruck zu erwecken, übermäßig interessiert zu sein - Man(n) hat schließlich seinen Stolz.
So kann es durchaus passieren, dass sie tagelang auf eine Antwort harren, obwohl sie gar keine Frage gestellt haben. Diese Tatsache übersehen sie geflissentlich, wenn sie sich früher oder später melden, betont lässig, als wäre nichts gewesen. Der Klassiker: „Lebst du noch?
Ja natürlich lebe ich noch, du Troll, tu' doch nicht so, als wäre mein plötzliches Ableben eine reelle Option. Doch das kann ich noch verzeihen, vermutlich ist ihm einfach nichts besseres eingefallen und es ist die Geste, die zählt. Wer weiß, vielleicht saß er genauso gebannt vorm Handy, hat die Sekunden gezählt und es schließlich nicht mehr ausgehalten: „Du hast gar nicht geantwortet...“ - Sweetheart, wenn du Antworten willst, dann frag' mich etwas und erzähl nicht nur, dass du gerade Pfannkuchen gegessen oder deine Socken gewaschen hast.
Normalerweise bin ich nicht so streng; Ich versuche, auf das einzugehen, was mein Gesprächs-partner mir mitteilt und das tu' ich gerne, weil es mich interessiert. Ich liebe Pfannkuchen, don't get me wrong! Aber bei aller Liebe, genug ist genug: Wenn ich merke, dass ich mich regelrecht anstrengen muss, um eine halbwegs akzeptable Antwort zu finden oder ihm jedes Wort mühevoll aus der Nase popeln muss, schwindet früher oder später auch mein Enthusiasmus.
 
Ein Quäntchen Stolz und Selbstachtung möchte ich mir bewahren und nicht zum hörigen Schoßhund mutieren, der hechelnd zu Herrchen aufschaut und dabei mit dem Schwanz wedelt.
Ich möchte, dass man sich um mich bemüht, dass man mir zeigt, dass man an mich denkt, auch wenn mich mal nicht melde. Natürlich gilt bei Tinder, WhatsApp und Co. wie im wahren Leben: Gleichberechtigung und Frauenquote; So habe ich kein Problem, Eigeninitiative zu zeigen und ein Gespräch zu beginnen, meistens. Aber manchmal möchte ich einfach, dass mein Gegenüber sich überwindet und ein Herz fasst, dann möchte ich einfach mal Mädchen sein - Nicht immer natürlich, aber dann und wann. Unzählige meiner Bekanntschaften haben sich so schließlich im Sand verlaufen, sind eingeschlafen und abgeebbt. Nach der zweiten, dritten oder vierzehnten Chance wird es mir wirklich zu blöd. Denn auch, wenn ich die Sache mit dem Stolz nicht so genau nehme, SO toll kann kein Kerl sein, dass Desinteresse und Divengehabe im Überfluss gerechtfertigt wären.
Mal ehrlich, wer will einen Partner, der sich schon in der Anfangsphase nicht ins Zeug legt und dauernd bitten lässt? Im Zweifelsfall steigt das persönliche Engagement selten im Laufe der Zeit.
 
Die Sache mit dem Stolz ist gar nicht so einfach. Wir hätten das alles gar nicht nötig, wir seien es wert, dass man sich um uns bemüht, schließlich braucht man keine Personen in seinem Leben, die sich zu fein sind, uns das eine oder andere mal nachzulaufen, flüstert uns der so selbstverliebte und selbstsichere Stolz regelmäßig ins Ohr.
Das Problem ist, dass wir uns meist zu den ungünstigsten Zeitpunkten überrumpeln lassen. Nämlich dann, wenn die andere Person wirklich eine Chance bräuchte und nicht, wenn alles
blendend läuft. Dann beginnen wir, die Beziehung zu hinterfragen und die Zweifel beginnen, an uns zu nagen: Zweifel daran, Ob es dem Gegenüber wirklich ernst ist, ob man selbst vielleicht als reiner Zeitvertreib fungiert und Zweifel an der Tatsache, dass der andere überhaupt Wert auf den Kontakt legt. Je wichtiger die Person ist, desto penetranter sind die Zweifel und desto mehr versteifen wir uns auf unseren Standpunkt, schotten uns ab.
Wie gesagt, die Sache mit dem Stolz ist nicht einfach: So kann deplatzierter, falscher Stolz uns zu Handlungen veranlassen, die wir später bereuen, während es genauso gefährlich ist, die kleine Stimme einfach auszublenden.
 
Und auch, wenn jeder eine zweite Chance verdient - Wir sollten uns wichtig und wertvoll genug sein, ab und zu einfach stolz zu bleiben und uns bitten zu lassen.
 
 
Fee

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