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Montag, 5. September 2016

Donnerstags-Desaster #25

Kiss Kiss, Bang Bang
 
Ich fühle mich fast schon schlecht dabei, Folgendes zuzugeben, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, eine Beziehung mit jemandem einzugehen, den ich nicht gerne küsse.
Sei es aufgrund von inkompatibler Technik, unterschiedlichen Vorlieben oder einfach mangelnder körperlicher Anziehung, krasse Kusskrisen kann und will ich nicht tolerieren.
Dafür hat das Küssen an sich für mich einen zu hohen Stellwert als Beziehungsbestandteil – Ich würde behaupten, dass ein schöner, technisch einwandfreier Kuss um einiges wichtiger ist als imposante Liebesbekundungen oder hollywoodverdächtiger Sex. Küssen bildet schließlich die Basis jeder sexuellen Beziehung; Küssen sollte aufregend sein, anregend, und Lust auf mehr machen.
Wenn jemand schon beim bloßen Küssen nicht überzeugt, stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob es sich lohnt, die Hüllen fallen zu lassen; Inklusive aller Anstrengungen, die Letzteres mit sich bringt: Die die ebenso müßige wie riskante Ganzkörperrasur, die Auswahl und das anschließende Hervorklauben zusammengehöriger und dem Anlass angemessener Unterwäsche, nicht zuletzt die Zeit, die es braucht, um sich mit etwaigen Komplexen und Problemzonen zu versöhnen.
Warum um Himmels Willen all dies Übel für jemanden auf sich nehmen, dessen Performance bereits oberhalb der Gürtellinie zu wünschen übrig lässt?

 
Dass ich gerade jetzt mit dem Thema anfange, liegt daran, dass ich in letzter Zeit überproportional viele Männer kennengelernt habe, die zwar lieb und nett waren, zum Teil auch wirklich engagiert, aber unglaublich schlecht küssen konnten. Mir ist vorher nie aufgefallen, wie viel ein solider Kuss im Hinblick auf Stimmung und sexuelle Spannung bewirken kann.
Wobei die Formulierung schlecht küssen vielleicht ungünstig gewählt ist; Was macht schließlich einen guten oder schlechten Kuss aus?
 
Zunächst ist der perfekte Kuss ja eine sehr subjektive Angelegenheit: So liebt der eine neckische Knabbereien und den intensiven Einsatz von Zähnen und Zunge, während der andere für filmreife Küsse die Lippen am liebsten fest geschlossen hält.
 
Am Ende geht es immer um die Harmonie und manchmal dauert es einfach eine Weile, bis man sich aneinander gewöhnt und aufeinander eingestimmt hat. Trotzdem gibt es für mich ein paar Dinge, die indiskutabel sind; Wenn mir jemand beim Küssen über das gesamte Gesicht leckt und dabei eine schleimige Speichelspur hinterlässt zum Beispiel oder es meinem Gegenüber gänzlich an Takt- und Feingefühl fehlt. Damit meine ich keine kleineren Reibereien und Unstimmigkeiten sondern ein derart verzerrtes Timing, dass ich vermuten muss, er torpediere den Kuss mit voller Absicht. Wenn aus den Tiefen der Kehle ein gruseliges Gurgeln ertönt oder das gegenüber den Mund regelrecht zum Schlund formt, einem schwarzen Loch. In solchen Momenten bin ich regelmäßig überfordert, frage mich verzweifelt, was von mir erwartet wird. Mal ehrlich, diese Löcher sind weder besonders einladend noch vermitteln sie den Eindruck, das alles, was seinen Weg hinein findet, jemals wieder das Tageslicht erblickt. Dann diejenigen, bei denen das sanfte Knabbern ausartet und man um sein Ohrläppchen fürchten muss, während einem die Tränen kommen.
Bei manch einem Kuss-Spezialisten bedarf es regelrecht einer Gebrauchsanweisung, eines detaillierten How To, um die eigenwilligen wie skurrilen Moves zu interpretieren. Außerdem muss jemand in der Männerwelt aktiv das Gerücht streuen, es sei sexy, wenn als Ausdruck der eigenen Lust ungestüm auch außerhalb der Lippen herumschleckt oder gar das ganze Ohr verschluckt.
Schließlich dann dieser peinliche Moment, wenn man merkt, dass es einfach nicht funktionieren will und man sich ein beschämtes Grinsen kaum verkneifen kann, während man versucht, zu retten, was zu retten ist. Ein Hoch auf die Männer, die wenigstens merken, dass etwas falsch läuft und sich um Besserung bemühen - Im Gegensatz zu jenen, die einfach ihr Ding machen, auf Teufel komm raus und frei nach dem Motto: „Wird schon werden, irgendwann.“ Ja, vielleicht ist dem manchmal so, in den meisten Fällen aber vergeht einem früher oder später einfach die Lust und man schaut sich anderweitig um. Wenn derartige Differenzen allerdings das einzige Problem sind, ist es sicher sinnvoll, darüber zu reden und daran zu arbeiten, an der Technik zu feilen und Kompromisse einzugehen.
Mit dem Küssen ist es wie mit so vielen Dingen im Leben; Ich bin fest davon überzeugt, dass es für jeden Topf den passenden Deckel gibt, aber manche Gerichte sollte man lieber einfach vom Herd nehmen.
 
Fee

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