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Donnerstag, 22. September 2016

Donnerstags-Desaster #26

Von Spinnen und Spinnern
 
„Ich bin Realist, ich gehe keine Beziehungen ein...“ - Manchmal frage ich mich, ob etwas an mir bekloppte Kerle anzieht, ob auf meiner Stirn steht „Verkorkst und hoffnungslos? Bitte melden!. Ich habe ich es noch immer nicht geschafft, mich von meinem so smarten aber schwer bindungsphobischen Lover* loszureißen, obwohl mir bewusst ist, dass die Lage absolut aussichtslos ist.


Ob es sich mit Bindungsphobien ähnlich verhält wie mit der Angst vor Schlangen oder Spinnen? Empfindet man Furcht und Ekel, sobald man damit konfrontiert wird, ist wie gelähmt oder läuft um sein Leben, um sich nicht mit der Materie auseinandersetzen zu müssen? Und würde demnach die Spezies der Bindungsphobiker jedes Mal, wenn sie auch nur das leiseste Anzeichen eines Bindungsversuches wahrnimmt, am liebsten laut aufschreien und panisch Reißaus nehmen?
Wenn dem wirklich so ist, wüsste ich gerne, was man tun kann, um solch armen, von Bindungsängsten geplagten Jünglingen zu helfen.


Je nach Stärkegrad der Phobie lassen sich verschiedene Methoden anwenden, um die Betroffenen von ihrer Angst zu heilen – So steht es zumindest auf diversen Ratgeberseiten im World Wide Web.
Nun kann ich meinem Angebeteten, der sich partout nicht binden will, allerdings nur schwer einen Experten empfehlen oder ihm Pillen unters Essen mischen; Letzteres scheitert schon daran, dass wir uns nicht häufig genug sehen, als dass die Medikamente überhaupt anschlagen würden.
Natürlich nicht, schließlich führen regelmäßige Treffen früher oder später zu Intimität und Vertrautheit, den Erzfeinden eines jeden Bindungsphobikers.


Wie bringe ich also meinem phobischen Freund auf schonende Weise bei, dass ich ihn für ernsthaft krank halte und er sich helfen lassen sollte?
Ideal wäre eine unauffällige Art der Konditionierung, um den Betroffenen nach und nach an den Zustand, zu gewöhnen, gebunden zu sein. Auch dazu findet man einige mehr oder wenige nützliche Tipps im Internet, zum Beispiel die systematische Sensibilisierung, bei der man den Patienten langsam an seine Angst heranführt, um diese Schritt für Schritt zu überwinden. Der erste Schritt: Das Erarbeiten einer Angstskala, auf der die Dinge, die dem Betroffenen Angst einflößen, in aufsteigender Reihenfolge notiert werden. Das scheint machbar, schließlich braucht man dafür nur zu beobachten, wie der Patient in verschiedenen Situationen reagiert. Wenn er zum Beispiel die Augen beim unfreiwilligen Händchenhalten aufreißt, als hätte er einen Geist gesehen; Wenn beim Thema Familienplanung panische Schweißperlen über sein Gesicht rinnen oder er im Restaurant, gar nicht laut genug „Das geht getrennt!“ prusten kann, wenn es darum geht, wer die Rechnung übernimmt. So weit, so gut.
Schwierig wird es beim nächsten Schritt, da heißt es nämlich: „Im Anschluss erlernt der Patient verschiedene Entspannungstechniken um sich bei aufkommender Angst selbst zu beruhigen.“ Spätestens hier endet wohl jeder Versuch der allmählichen, unbewussten Konditionierung. Mir fielen nämlich beim besten Willen keine Vorwände ein, um jemandem das Praktizieren einer Entspannungstechnik schmackhaft zu machen – Einfach so, als kleiner Alltagshack.
Ich fürchte, wenn man es mit einem überzeugten Bindungsphobiker zu tun hat, muss man entweder akzeptieren, dass aus der Sache nie etwas Festes wird, oder auf ein Wunder hoffen. Hoffen, dass er auf den Kopf fällt und plötzlich das dringende Bedürfnis verspürt, schnellstmöglich zu heiraten. Hoffen, dass ihm wie Schuppen von den Augen fällt, dass er es mit dem perfekten Mädchen zu tun hat. Sind wir ehrlich, tief im Inneren sind wir alle doch fest überzeugt, dass wir diejenige sind, für die er sich ändert.
In den meisten Fällen wird das wohl nicht passieren, denn wie so häufig gilt also auch hier: Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Und mal ehrlich, wer will schon an jemanden binden, der diese Bindung nur akzeptiert, weil er manipuliert wurde?



*Der eine oder andere erinnert sich vielleicht an den Adventskalender, den ich letzten Winter in mühevoller Kleinstarbeit zusammengestellt habe – Es handelt sich um eben jenen Kerl: Eigentlich wäre er perfekt, hätte er nicht dieses kleine Problem, mit emotionaler Intimität.
 
Fee

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