Follow my blog with Bloglovin

Donnerstag, 29. September 2016

Donnerstags-Desaster #27

Kleider machen Bräute

Ich habe gestern meinen Kleiderschrank aufgeräumt, ausgemistet und neu sortiert – Manchmal brauche ich das, um den Kopf frei zu bekommen und um etwaige Neukäufe vor meinem Gewissen zu legitimieren.
Während ich nichts ahnend meine Hybridschublade mit Bademode und Nachtwäsche durchwühlte, in die sich auch die eine oder andere Socke verirrt hat, sind ein paar spektakuläre Teile zutage gekommen, deren Existenz mir längst entfallen war. Teile, die ich mir gekauft habe, wenn ich mir selbst etwas Gutes tun oder jemanden besonderes beeindrucken wollte. Wenn ich das Gefühl hatte, dass es statt schnöder Alltagswäsche Spitze, Rüschen und halterloser Strümpfe bedarf.
Traumhaft schöne Dessous und sexy Lingerie, die seit Ewigkeiten in den Tiefen meines Kleiderschrankes verstauben, ohne ein einziges Mal zum Einsatz gekommen zu sein. Da stehe ich nun und frage mich, in welchem Anflug von Optimismus ich die schönen Stücke gekauft habe und wie um alles in der Welt ich auf die Idee kommen konnte, dass ich jemals so viel Sex haben würde.
Dabei ist das wahre Problem gar nicht die Sexfrequenz, sondern die Tatsache, dass ich die guten Stücke so gut wie nie hervorkrame.

 
Entscheidend für die Zwangshaft meiner Reizwäsche sind hauptsächlich zwei Faktoren: Zum einen ist da die Angst, dass der außergewöhnliche Aufzug meinem Gegenüber nicht gefallen könnte, dass er sich über mich lustig macht, schlimmstenfalls sogar die Flucht ergreift.
Eine Angst, die wahrscheinlich vollends unbegründet ist, welcher Mann würde sich schließlich über eine reizvolle, vielversprechende Verpackung beschweren? Im Zweifelsfall geht es ja primär auch um den Inhalt. Fazit: Hübsche Dessous geben uns das Gefühl, schön und begehrenswert zu sein, sie verleihen dem Sex einen gewissen Glamour und machen ihn zu einem aufregenden Erlebnis. Und wir brauchen uns absolut keine Sorgen zu machen, dass wir verspottet werden, auch wenn es vielleicht ein wenig Überwindung kostet. Punkt, Satz und Sieg!
 
Dann ist da allerdings noch die Sache mit dem Timing: Wann sind solche Outfits angemessen, wann wirken sie überkandidelt UND wie soll man sich unauffällig in Schale werfen, wenn man merkt, dass es so weit ist? Schließlich braucht die Transformation vom Stubentiger zur sexy Catwoman seine Zeit.
So dauert es meiner Erfahrung nach eine ganze Weile, bis man sich in die halterlosen Strümpfe gepellt und die Strapse festgeschnallt hat, ganz zu schweigen von den achttausend Häkchen einer durchschnittlichen Corsage.
Tatsächlich geht am Ende meist sowieso alles so schnell, dass sich gar keine Chance bietet, ins Mieder zu schlüpfen und auch Aussagen à la „Warte, ich muss noch eben was erledigen!“ wirken selten stimulierend.
Die praktikabelste Lösung scheint die Prävention; Man zieht sich einfach um, bevor der Besuch kommt oder versteckt die reizende Wäsche wenn möglich unterm Alltagsdress.
Ich käme mir allerdings blöd dabei vor, jemanden schon in voller Montage zu empfangen - Das ist so plump, so eindeutig. Außerdem birgt ein solches Statement eindeutig zu viele Gefahren. Man stelle sich vor, anstelle des Angebeteten stünde plötzlich der Postbote vor der Tür oder der Herzbube wäre nur gekommen, weil er als ganz besonders anständiges Kerlchen die Sache persönlich beenden will. Mir fallen auf Anhieb siebenundzwanzig weitere Szenarien ein, in denen es äußerst unpassend wäre, voll bestrapst und leicht bekleidet zu harren.
 
So kommt es, dass ich eine ganze Menge unglaublich schöner Dessous im Schrank horte, die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Schöne Dessous, die viel zu schade sind, um dort zu verkommen; Dessous, die es Wert sind, etwas Neues zu wagen und sich zu trauen!


Fee

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen