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Donnerstag, 3. November 2016

Donnerstags-Desaster #28

Talk dirty to me!
 
Ich hielt mich bis dato immer für einen katastrophalen Dirty Talker, habe ich doch schon Skrupel, mich von Angesicht zu Angesicht bloß über Sex zu unterhalten. Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, die drei kleinen Buchstaben zu thematisieren, über meine Vorlieben zu reden und etwaige Fantasien zu offenbaren. Nicht vor meinen Mädels natürlich oder meinen Freunden, aber sobald mich jemand ernsthaft interessiert und die reelle Option besteht, das mehr aus der Sache wird, würde ich mich beim unumgänglichen und eigentlich so sinnvollen „Worauf stehst du denn so?“ am liebsten unter einem dicken Deckenberg verkriechen.
Dementsprechend habe ich mich bisher eher bedeckt gehalten, was lüsterne Lobtiraden und Schweinereien zwischen den Laken angeht; Habe gehofft, dass man(n) trotzdem erkennt, was mir gefällt und was mich so gar nicht in Ekstase versetzt. Dank Gestik, Mimik und zurückhaltender akustischer Effekte hat das auch mehr oder minder gut funktioniert... „Dirty Talk? Ne, so etwas mache ich nicht.“ Aber warum eigentlich? Dass ich mich bisher immer zurückgehalten habe, wenn es um Dirty Talk ging, liegt vor allem daran, dass mir der Grad zwischen stimulierenden Sätzen und unnützem Geplapper unglaublich schmal vorkommt. So ruiniert zu viel des Guten schnell mal die Stimmung, weil die Worte dann falsch wirken, ausgedacht und aufgesetzt. Plus: Wer will schon einen Lover, der vor lauter Smalltalk vergisst, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern?
Dann lag es vermutlich auch an meinem Selbstbild, das sich so gar nicht mit schmutzigen Wörtern und sexy Statements vereinbaren ließ. Man vergisst eben schnell, dass unser Umfeld uns teilweise ganz anders wahrnimmt; Insbesondere Männer sollen ja dazu neigen, jene Aspekte, die auch nur ansatzweise erotisch anmuten, besonders zu beleuchten. Noch vor einigen Wochen hätte ich bei dem Gedanken daran, dass ich verdammt heiße, mitunter ziemlich dreckige Gespräche via WhatsApp führe, nur ungläubig den Kopf geschüttelt, vielleicht spöttisch die Lippen gespitzt. Doch dann habe ich jemanden kennengelernt; Jemanden, der mir auf Anhieb sympathisch war, dem ich blind vertraute – Ohne ihn jemals in Natura gesehen zu haben. Stefan habe ich ertindert, als ich im Sommer meine beste Freundin in Münster besucht habe (Ja, wieder ein Stefan, wieder aus Münster, wieder das Ergebnis einer witzigen Weinlaune. Und ja, Polizist ist er auch.) Als hätte ich aus meinen vergangenen Erfahrungen rein gar nichts gelernt.
Aber dieses Mal war es anders: Stefan war so aufmerksam, liebevoll und interessiert, sodass ich nach einer Weile beschloss, unseren Chat auf die nächste Ebene zu heben. Am Anfang fand ich es sehr befremdlich, Dirty Talk übers Telefon zu betreiben, jeden meiner Schritte bis ins kleinste Detail zu beschreiben und mir vorzustellen, was mein Gegenüber da mit mir anstellen wollte. Aber je häufiger wir solche Gespräche führten, desto weniger lächerlich kam ich mir vor und desto mehr gefiel es mir. Wenn man sich wirklich auf solche Geschichten einlässt, sich gehen lässt, ohne ständig jeden Satz zu hinterfragen, kann man unglaublich viel mitnehmen. Dabei ist Dirty Talk auf keinen Fall ein Muss. Hauptsache ist und bleibt, dass man sich mit dem, was man sagt und tut, wohlfühlt.
Einigen Kandidaten ist sogar dringend davon abzuraten, Dirty Talk in irgendeiner Weise zu praktizieren: Es gibt da nämlich einige Ausführungen, bei denen man lieber weglaufen möchte, statt zu kommen. Zum Beispiel finde ich es furchtbar, wenn jede meiner Regungen analysiert und laut ausgesprochen wird – Dabei komme ich mir immer kritisch beobachtet vor, kontrolliert. Es ist davon auszugehen, dass solche Typen unwahrscheinlich gerne Zeit in zoologischen Einrichtungen und Museen verbringen – Was zumindest Frage nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk beantworten würde, nicht aber jene, wie man den Kerl am schnellsten los wird. Genauso gruselig finde ich es, wenn mein Gegenüber beim Sex durchgehend in der dritten Person von mir spricht. Knapp gefolgt von jenen, die eigentlich nur hören wollen, wie geil sie sind und was sie für einen tollen Job abliefern. „Mache ich das gut, ja? Stehst du drauf, wie ich dich nehme?“ - Ja, du bist ein ganz wunderbarer Liebhaber, ich habe noch nie etwas Besseres erlebt und bezweifle, dass mir je etwas annähernd so Stimulierendes widerfahren wird, ich schwör'.
 
Am Ende geht es also auch beim Dirty Talk darum, sich selbst zu überwinden und die kuschelige Comfort Zone zu verlassen - Und wie bei so vielen Dingen kann es sich durchaus lohnen, mal über den Tellerrand zu linsen.
 
 
Fee

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