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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Donnerstags-Desaster #29

Von Zeitmangel und Prioritäten
 
Zeit hat man nicht, Zeit muss man sich nehmen.
Für Menschen, die einem wichtig sind, Termine, die Priorität haben und Dinge, die das Leben schöner machen. Diese Zeit nimmt man sich gerne, weil man weiß, wofür. Natürlich gibt es Momente im Leben, da ist „Zeit“ einfach Mangelware – Man ist in drölf Milliarden Hinsichten eingespannt, hat ohnehin viel zu viele Sachen um die Ohren und kriegt des Nachts kaum ein Auge zu. Solche Zeiten gehören dazu und die wirklich wichtigen Menschen sehen und verstehen das. So nehme ich es niemandem übel, wenn er mich dann vertröstet oder gar versetzt – Man hat ebenso Phasen, da ist jede Sekunde knallhart kalkuliert und zusätzliche Treffen, Dinnerdates und lange Partynächte passen einfach nicht ins Konzept. Dann muss eine Verabredung zum Lunch für ein kurzes Update in der Mittagspause reichen und das ist okay.

Doch dann gibt es diejenigen, die keine Zeit als Ausrede nutzen: „Ich würde ja gerne, aber ich weiß nicht, ob ich es diese Woche noch schaffe...“ Diejenigen, die vor lauter Bequemlichkeit gar nicht merken, dass etwaiger Zeitmangel schon längst nicht mehr als Argument zählt.
Über die Jahre haben wir schließlich Erfahrungen gesammelt und gesehen, wie viele Menschen tatsächlich bereit wären, JEDERZEIT für uns da zu sein, dafür alles stehen und liegen zu lassen. Menschen, die uns zu ihrer Priorität machen, weil wir wichtig sind.
 
Und wir haben im besten Falle gemerkt, dass jene, die ihre scheinbar so kostbare Zeit nicht opfern wollen, selten über Nacht zum Traumprinzen mutiert sind. Dort ist man eine Option, eine gute vielleicht, die man im Hinterkopf behält, aber eben keine Priorität; Das Schmankerl für zwischendurch, falls sich nichts Besseres ergibt, wenn man so will.
In Mode- und Beautybusiness werden typischerweise vor jeder Produktion diverse Optionen vergeben: Für das Model gibt es verschiedene sogenannte 1st Options, für die Location sowieso und sogar Haar- und Make-up-Stylisten werden optioniert. Sich viele Möglichkeiten offenzuhalten, um sich möglichst kurzfristig entscheiden und am Ende das Beste herauspicken zu können, scheint heutzutage ganz normal.
Dabei ist, wie ich behaupte, niemand gern nur eine Option – Zumindest nicht, wenn man selbst den anderen priorisiert. Beruht die Einstellung auf Gegenseitigkeit und die Situation bereitet weder Kopfzerbrechen noch Wutausbrüche, ist das in Ordnung, aber sobald man merkt, dass man deutlich mehr investiert – Zeit, Geld, Gedanken – als das Gegenüber, sollte man sich fragen, warum. Ich bin es ehrlich Leid, diejenige zu sein, die Treffen initiiert und mit Hundeblick auf eine positive Antwort hofft. Wozu auch? Wenn ein Kerl es schon zu Beginn wochenlang ohne mich aushält, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne mich zu vermissen, was erhoffe ich mir von der ganzen Geschichte? „Entweder, er steht auf dich und klebt dir am Arsch, geht das Risiko ein, aufdringlich zu wirken, oder du bist ihm relativ egal.“, hat ein Freund mich neulich aufgeklärt und damit meine kleine Seifenblase zum Platzen gebracht – Ohne es böse zu meinen, natürlich. Und tatsächlich hilft diese Erkenntnis, um sich bewusst zu machen, wer wirklich zählt und wem man besser einen Optionsstatus verpasst.
 
 
Erst kürzlich wurde meine Zeit nämlich zu frei verfügbarem Gut degradiert: „Wenn du Lust hast, kannst du gerne mal über meine Thesis schauen, das wäre echt nett!“ Zeit, sich zu revanchieren, habe er allerdings nicht. Da stellt sich mir die Frage, mit welcher Motivation ich diese Arbeit von mindestens 40 Seiten wälzen sollte, die Satzstellung und Zeichensetzung auf Fehler durchforsten und umzuformulieren, Mutter Theresa bin ich schließlich auch nicht.
Natürlich habe ich ihm angeboten, die Seiten Korrektur zu lesen – Vor drei Wochen, als wir uns noch regelmäßig gesehen haben und ich gerne meine Zeit dafür geopfert hätte, weil ich dachte, er sähe das ähnlich. Wohlwissend, dass ich derzeit zwei Jobs habe, eine Hausarbeit und meine eigene Thesis schreiben muss, hätte ich mir die Zeit eben genommen. In Anbetracht der Tatsache allerdings, dass der gute Herr keinerlei Anstalten macht, mich nach weiteren Treffen zu fragen, muss ich leider gestehen: I’M OUT!
 
Am Ende ist Zeit nicht nur Geld, sondern auch sonst so wertvoll, dass wir hinterfragen sollten, wem wir sie schenken. Und manchmal nimmt man sich lieber Zeit für sich selbst, als für Menschen, die sie nicht zu schätzen wissen und auch nicht bereit sind, dasselbe zu tun.
 
 
Fee

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