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Donnerstag, 2. Februar 2017

Donnerstag-Desaster #30

Verliebt in die Liebe
 
Wann ich das letzte Mal so richtig verliebt war? Das ist schon eine ganze Weile her, zumindest glaube ich das. Mein größtes Problem mit dem Verliebtsein: Die Tatsache, dass es mir beizeiten schwer fällt, zu differenzieren, zu unterscheiden zwischen Person und Illusion.

 
Ich habe im letzten halben Jahr eine Hand voll attraktiver, charmanter und genauso herzerwärmender junger Männer getroffen, die augenscheinlich durchaus Boyfriend-Material hätten sein können. Beim einen oder anderen hatte ich sogar Herzklopfen und habe darüber nachgedacht, wie schön ein gemeinsamer Alltag wäre. Wie schön es wäre, jeden morgen nebeneinander aufzuwachen, als Hochzeitsbegleitung zu fungieren, Sonntags gemeinsam über Stock und Stein zu marschieren und wie selbstverständlich den Milchschaum vom Kaffee des anderen zu schlürfen, weil man es darf - Couple Goals halt.
Da stellt sich die Frage: War es der Typ, den ich begehrte, oder einfach das gesamte Konstrukt, das Seifenblasenschloss, das ich mir detailreich und schillernd erträumt habe. Eine knifflige Angelegenheit, schließlich hängt das eine unweigerlich mit dem anderen zusammen: Ohne Kerl keine Beziehung.
 
Grund dafür ist die Sehnsucht nach einer bilderbuchreifen Romanze, nach Nähe und Verbindlichkeit, nach Komfort und Routine. Sicher ist das typbedingt, aber früher oder später will wohl jeder Single wieder unter die Haube schlüpfen, die aufreibende Suche nach Mr. / Mrs. Right beenden und desaströse Dating-Desaster hinter sich lassen.
Ich muss es wissen, schließlich habe ich diesbezüglich schon die eine oder andere grenzwertige Erfahrungen gemacht. Man ist erschöpft und kaputt, bräuchte dringend mal eine Pause. Da käme eine Beziehung gerade recht, eine bequeme Bank, auf der man sich ausruhen und verschnaufen kann. Inklusive Partner, der einen (mitsamt aller Marotten) liebt und unterstützt, natürlich. Ab und zu ertappe ich mich dabei, wie ich die Ansprüche an etwaige Partner herunterschraube, mir einrede, es würde schon passen. So wird der nächstbeste akzeptable Fang zur Placebo-Liebe: Man fängt an, zu projizieren; schreibt Wünsche und Gefühle dieser Person zu, interpretiert zu viel in Worte und Gesten hinein. Schwuppdiwupp ist man verliebt, verliebt in die Liebe. Und auch, wenn man weiß, dass es auf Dauer nicht funktionieren würde, ist die Vorstellung zu schön, um sie einfach wieder zu verwerfen.
Solange zumindest, bis uns die Realität einholt – Die Einsicht, dass der vermeintliche Prinz selbst kein Bauchkribbeln verursacht, wohl aber der Gedanke an einen Sonntagsbrunch mit seiner Familie. Wir neigen nun einmal dazu, zu sehen, was wir sehen wollen – In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns gerade in diesem Moment gern in einer Beziehung sehen würden, liegt es nur nahe, sich Gefühle einzureden und eine herbeizufantasieren.
Aber ist es das, was wir wollen? Eine Beziehung um der Beziehung Willen? Natürlich nicht. Früher oder später merkt man schließlich, dass man nicht die Person liebt, sondern die dazugehörige Illusion und am Ende lohnt es sich, auf den Richtigen zu warten. Jemanden, der uns Schmetterlinge in den Bauch zaubert und auch ohne viel Schi Schi perfekt ist. (Sonntagsbrunch und Milchschaum wollen wir natürlich trotzdem, aber nur, weil er dabei ist!)
 
Manchmal ist man eben einfach verliebt in die Liebe, man sehnt sich nach Nähe und Intimität, nach gemeinsamen Ritualen und einer intakten Beziehung, die funktioniert.
Das ist in Ordnung, solange man sich selbst nichts vormacht. Man wird ja wohl noch träumen dürfen – Und wer weiß, vielleicht ist es eines Tages ja nicht mehr nur die Vorstellung, sondern auch der Typ selbst.
 
 
Fee

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