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Donnerstag, 25. Mai 2017

Donnerstags-Desaster #33

Von Miesmuscheln und Katzen-Krisen
 
Nun sitz‘ ich hier und überlege angestrengt, worüber ich diese Woche desastern könnte – Das ist gar nicht mal so leicht, bahnbrechende News gibt es schließlich keine. Auf dem Tisch vor mir ein dampfend heißer Kaffee, an dem ich mir gerade gehörig die Zunge verbrannt habe, auf dem Fenstersims ein trostlos-vertrocknetes Basilikumbüschel, die Blättchen blass und geknickt. Alles in allem eine recht trostlose Perspektive.
Da drängt sich die Frage auf: Wie lange dauert es eigentlich, bis man selbst emotional so welk und verkümmert ist, dass jede Rettung zu spät kommt? Bis man endgültig den Glauben an die Liebe verliert und sich fünf kleine weiße Kätzchen kauft, die abends um die pummeligen Pantoffelfüße schnurren, während man sich flaschenweise Scotch hinter die Binde kippt? Zugegeben, keine sonderlich schöne Vorstellung, zumal ich Katzen nicht einmal besonders mag (Nein wirklich, Katzen sind einfach nicht mein Ding – Ich finde sie unangenehm unberechenbar, gruselig und gemein und es würde mich nicht wundern, wenn die kleinen Monster meinen Scotch-Schwips ausnutzen und mich im Schlaf skalpieren würden). Ein Leben als Katzenfrau scheint also nicht unbedingt die beste Alternative, allerdings lässt meine aktuelle amouröse Situation nicht gerade darauf schließen, dass ich die Wahl hätte.
Natürlich lerne ich Männer kennen, aber in letzter Zeit ist die Erfolgsquote verschwindend gering:
Da gab es zum Beispiel die Art Mann, die beim ersten Date von kratzbürstigen Katzen, Exfreundinnen und Kindheitstraumata redet. Eines der Themen anzuschneiden wäre in Ordnung gewesen, aber im Mix ergab das ganze einen derart angsteinflößenden Overkill, dass ich schauen musste, wie ich möglichst schnell und möglichst unbeschadet aus dem Lokal entwischen konnte! Andere fackelten nicht lange und schickten schon vor dem ersten Treffen Bilder aus dem Badezimmer (Da weiß man wenigstens, was man hat!?) und wieder andere, bei denen augenscheinlich alles stimmte, waren dann doch irgendwie eigenartig. Scheinbar gibt es dort draußen einfach keine Männer mehr ohne Trauma, Meise und Komplexe. Also schon, für meine Freundinnen, für Leute aus meiner näheren Verwandtschaft, aber eben nicht für mich. Das wäre also Punkt eins in der Liste von Dingen, die mich davon abhalten, dem Altjungfern-Dasein abzuschwören.

 
Gleichzeitig merke ich aber auch, wie es mir immer schwerer fällt, mich zu öffnen, mich einzulassen. Ich bin mürrisch, misstrauisch und habe keine Lust mehr, Zeit und Muße zu investieren. Und Gefühle erst recht nicht! Die halte ich fein säuberlich unter Verschluss, umhüllt von einer satten Portion Selbstschutz und Panzerglas. Ich nenne es liebevoll das Miesmuschel-Syndrom – ein entsprechendes Patent ist angemeldet! Selbst wenn ich wollte, täte ich mich wohl wahnsinnig schwer, mir meine Gefühle einzugestehen, sie mit Externen zu teilen scheint ganz und gar ausgeschlossen. Verständlich, nachdem die letzten Jahre von einer Pleite nach der nächsten geprägt waren. Ich will einfach keine Energie und Emotionen mehr in Geschichten investieren, die zum Scheitern verurteilt sind. In Anbetracht der Tatsache, dass das in der heutigen Welt auf so ziemlich jedes Intermezzo zutrifft, scheint mir der Aufbau von emotionaler Nähe und Bindung folglich die reinste Zeitverschwendung.
Bleibt zu hoffen, dass ich nicht schon genauso welk wie das Basilikum bin und abzuwarten, ob ich alte Miesmuschel meine Meinung nochmal ändere und jemanden an meine Perle lasse.  Bis dahin hänge ich lieber mit meinen Mädels rum, oder eben mit meinen Killer-Katzen.
 
 
Fee


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